r/Ratschlag • u/Wonderful_Clue_2927 • 3h ago
Mental Health Ich wurde vor meiner Haustür mit einer Waffe bedroht
Hallo zusammen,
es ist mein erster Reddit-Post und, wie im Titel steht, wurde ich quasi vor meiner Haustür mit einer Schusswaffe bedroht. Ich bin mir nicht sicher, wie ich mich verhalten soll.
Hier erst mal die Story:
Ich wohne in einer Großstadt, in einem Bezirk, der nicht den besten Ruf hat: hohe Kriminalitätsrate, hoher Migrationsanteil (ich bin selbst Kind von Migranten), viele Obdachlose, viele Drogensüchtige, und man hört eigentlich pausenlos Sirenen.
Dennoch habe ich mich bis dato sehr wohlgefühlt, da mein Freundeskreis kulturell sehr gemischt war und ich nicht das Gefühl hatte, dass es hier gefährlich ist. Ich dachte eher, dass da ein Klischee kursiert. Zudem muss man sagen, dass Freunde, die auch in diesem Bezirk leben, meinten, es sei eine relativ unangenehme Straße. Ich bin erst vor einer Woche zu meiner Freundin gezogen, war aber vorher auch schon regelmäßig hier.
Nun zum eigentlichen Tathergang. Es war gegen 10 Uhr, als ich morgens vor die Haustür ging, um eine Zigarette zu rauchen. Ich dachte mir: Hey, lauf doch einmal um den Block und vertritt dir ein wenig die Beine. Also bin ich losgelaufen, und ca. 50 m später rief mich die besagte Person und sagte, ich solle stehen bleiben. Ich drehte mich um, er war 10 m entfernt und lief auf mich zu und meinte: „Du verkaufst doch bestimmt Weed, du tickst doch." Ich habe das verneint und gesagt, dass er bei mir falsch sei. Daraufhin habe ich ihn gemustert, und er sah sehr süchtig aus, aber nicht so sehr, dass er obdachlos gewirkt hätte. Ich bin also einfach von einem Drogensüchtigen auf Entzug ausgegangen.
Er meinte daraufhin, er bräuchte jetzt unbedingt „'nen Zwanni" (er sah aber definitiv nicht so aus, als würde er Gras rauchen, sondern eher Meth/Heroin/Crack). Ich sagte, ich hätte keinen Zwanni, woraufhin er es wiederholte und zuerst seine rechte Hand mit irgendwelchen Münzen (?) herausholte und direkt danach in der anderen Hand eine Schusswaffe, die er mir vor den Bauch hielt, weil er auch sehr nah herangekommen war. Ich sagte daraufhin, ich könne ihm Zigaretten geben, einfach damit er vielleicht irgendetwas bekommt. Die Waffe sah echt aus (ich konnte in dem Moment vorne ein Loch und ein Magazin sehen) und hat mich dementsprechend sehr geschockt. In dem Moment habe ich gehofft, dass es wirklich nur eine Schreckschuss- oder Gaspistole ist, weil ich mir auch dachte: Warum zum Fick sollte er mich für 'nen Zwanni mit einer verdammten Pistole bedrohen/ausrauben?
Daraufhin kam ein Sinneswandel. Er meinte: „Nee, alles gut, behalt deine Zigaretten, du bist doch korrekter, als ich dachte, und nicht so wie die "K-Wort für Ausländer" die einen immer abziehen." Ich war sowohl geschockt als auch froh, weil er die Waffe dann einpackte. In seinen Augen war ich wohl kein K-Wort. Er lief dann weg und sagte: „Schönen Tag noch, und ach ja, vergiss das Ding, hast du nie gesehen." Ich habe alles irgendwie runtergespielt, ihm auch einen schönen Tag gewünscht und bin zurück Richtung Haustür gegangen. Er lief dann in einen Park und rief ganz laut mit einer gruseligen Stimmlage wie in einem Psychofilm: „Wo seid ihr, ihr kleinen K-Wort?", als hätte er die Jagd eröffnet. Leider bin ich mir sicher, dass er weiß, wo ich wohne, und bin deshalb nicht direkt zur Polizei gegangen.
Wir wollten uns eigentlich zum Frühstück mit unseren Freunden treffen, waren aber spät dran, weil ich komplett neben mir stand. Ich habe den Tag dann irgendwie hinter mich gebracht, mir nichts anmerken lassen und kein großes Ding daraus gemacht. Am Abend im Bett, als wir heimgekommen waren, war ich dann sehr gestresst und konnte eigentlich nicht schlafen. Ich bin auch psychisch erkrankt und war inzwischen an einem sehr guten Punkt, weil Rausgehen und viele Menschen lange ein großes Problem waren. Jetzt sind die Angst und die Paranoia leider wieder da, sodass ich es nur schwer zur Arbeit geschafft habe. Glücklicherweise habe ich einen tollen Chef und konnte den restlichen Tag nach Hause gehen und im Homeoffice arbeiten.
Was soll ich machen? Ich bin ein wenig ratlos und weiß nicht, ob es sich lohnt, die Polizei zu informieren, weil es mittlerweile 24 Stunden her ist. Ich frage mich auch, ob ich übertreibe und vielleicht ein zu großes Ding daraus mache.
Ich bin über jeden Rat dankbar! Vielen Dank!