Hallo,
vorweg: Der Account, mit dem ich diesen Beitrag poste, ist aus Gründen der Privatsphäre eigens für diesen Beitrag beziehungsweise für dieses Thema erstellt worden. Ich hoffe, dass das kein Problem darstellt oder gegen irgendwelche Regeln dieses Subreddits verstößt.
Jetzt aber zu meinem eigentlichen Anliegen:
Ich habe dieses Jahr mein Abitur gemacht und absolviere derzeit einen Freiwilligendienst in einem Land in Asien. Daher werde ich voraussichtlich erst kurz nach Mitte August 2027 nach Deutschland zurückkehren.
Da ich noch nicht genau weiß, was ich danach machen möchte, und soweit ich weiß gerade der Zeitraum ist, in dem man sich für ein duales Studium bewerben sollte (korrigiert mich gerne, falls ich damit falschliege) (und ein duales Studium für mich grundsätzlich in Frage kommt beziehungsweise zumindest nicht komplett ausgeschlossen ist), muss ich mich mehr oder weniger zwangsläufig schon jetzt mit der Frage beschäftigen, was ich nach meinem Jahr hier machen möchte
Konkret schwirren mir aktuell drei Möglichkeiten im Kopf herum:
- Ein klassisches Studium an einer Universität oder einer Fachhochschule
- Ein duales Studium
- Ein weiteres Jahr Pause, das ich mit Arbeit, Praktika und eventuell etwas Reisen füllen würde
Welcher Studiengang es bei den ersten beiden Optionen langfristig werden soll, ist mir noch nicht ganz klar. Ich möchte zwar etwas eher Technisches studieren, interessiere mich aber auch für wirtschaftliche Themen und finde Projektmanagement derzeit relativ spannend. Daher kann ich mir gut vorstellen, in Richtung Wirtschaftsingenieurwesen oder etwas Ähnliches zu gehen. (Zumindest ist das aktuell meine Vorstellung von dem Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen.) Einen rein technischen Studiengang kann ich mir ebenfalls vorstellen, aber bei einem rein wirtschaftlichen bin ich mir noch unsicher.
Bei allen drei Optionen sprechen meiner Meinung nach mehrere Punkte dafür und dagegen. Die wichtigsten habe ich im Folgenden aufgelistet.
1. Klassisches Studium an einer Universität oder Hochschule für angewandte Wissenschaften
Pro:
- Das klassische Studentenleben
- Die Möglichkeit, das Studium abzubrechen, falls es mir doch nicht liegen oder gefallen sollte
- Ein (zumindest in meiner Vorstellung) weniger stressiges Studium im Vergleich mit einem einem dualen Studium
- Die Möglichkeit, verschiedene Unternehmen kennenzulernen und unternehmensunabhängige Strategien und Verfahren zu lernen, sodass ich nicht zu sehr an ein einzelnes Unternehmen gebunden bin
Kontra:
- Die Angst, nach dem Studienabschluss wegen der aktuellen wirtschaftlichen Lage keinen Arbeitsplatz oder nur einen mit verhältnismäßig schlechten Bedingungen zu finden oder lange danach suchen zu müssen. Dazu kommt die eventuelle Konkurrenz durch dual Studierende mit Arbeitserfahrung, die nicht übernommen wurden sowie durch klassische Studierende, die zum Zeitpunkt meines ersten Abschlusses vielleicht schon einen Master oder sogar einen Doktortitel haben (da sie eventuell zum Beispiel jetzt gerade keinen Arbeitsplatz finden und dann weiter studieren werden).
- Die Angst, im klassischen Studium wegen der erwarteten, soweit ich weiß relativ hohen Selbstständigkeit (etwas) unterzugehen oder den Faden zu verlieren
- Die Sorge, dass meine finanziellen Mittel (einschließlich BAföG) nicht ausreichen könnten. Außerdem frage ich mich, ob ich für bessere Berufsaussichten eine oder mehrere Werkstudentenstellen brauchen würde und dadurch am Ende doch ein ähnliches Stresslevel und Arbeitspensum wie bei einem dualen Studium hätte. Mir geht es dabei nicht darum, dass ich nicht arbeiten möchte. Ich habe eher die Sorge, ein duales Studium wegen dieses Punktes (oder des vermeintlich fehlenden Studentenlebens) nicht zu wählen und im klassischen Studium dann etwas sehr Ähnliches zu erleben.
2. Duales Studium
Pro:
- Das Gehalt während des Studiums
- Die (soweit ich weiß) relativ hohe Chance, nach dem Studium übernommen zu werden. Falls nicht, hätte ich trotzdem drei Jahre beziehungsweise zumindest mindestes eineinhalb Jahre Arbeitserfahrung vorzuweisen.
- Mögliche Kontakte zu Unternehmen und allgemein in die Industrie
- Drei Jahre (beziehungsweise rechnerisch eineinhalb Jahre) Arbeitserfahrung während des dualen Studiums
Kontra:
- Eine (soweit ich gehört habe) relativ anspruchsvolle Studienzeit mit wenig Freizeit und viel Druck
- Das fehlen des klassischen Studentenlebens (--> Was zusammen mit der Unsicherheit beziehungsweise Angst, danach keine Arbeitsstelle zu bekommen [die ich hier auf Reddit in den letzten Tagen irgendwie stark bekommen habe] mit die stärksten Punkte beziehungsweise Argumente sind, weswegen ich zwischen dem klassischen Studium an einer Universität oder Fachhochschule und einem dualen Studium überlege.)
- Die Sorge, im Vergleich zum klassischen Studium weniger sozialen Anschluss zu finden und es dadurch schwerer zu haben, einen aktiven, gesunden Freundeskreis oder eine Partnerschaft aufzubauen. Das gilt vor allem, wenn Studienort und Arbeitsstelle während der Praxisphasen weit auseinanderliegen und man deshalb ständig zwischen zwei Wohnorten wechseln muss.
- Die Angst, irgendwann auf einem bestimmten Karrierelevel festzusitzen, weil ich für eine bestimmte Position einen Universitätsabschluss bräuchte, und/oder zu sehr an ein Unternehmen gebunden zu sein, weil ich während des dualen Studiums dessen spezifische und übliche Verfahren lerne
3. Ein weiteres Jahr Pause, das ich mit Arbeit, Praktika und eventuell etwas Reisen füllen würde
Pro:
- Mehr Zeit, um mich zu orientieren, in Deutschland wieder Fuß zu fassen und mit Freunden und Familie intensiver darüber nachzudenken
- Zeit, um durch Praktika verschiedene Betriebe kennenzulernen und hoffentlich besser entscheiden zu können, welches Studium und welcher spätere Beruf zu mir passen
- Zeit, um nebenbei zu arbeiten und eventuell ein paar Wochen oder Monate zu reisen
- Die Möglichkeit, dass sich die wirtschaftliche Lage bis nach meinem Studienabschluss – auch durch das zusätzliche Jahr vor Studienbeginn – zumindest etwas entspannt und es dann leichter ist, eine gute Arbeitsstelle zu finden
- Zeit mit meinen Freunden (sofern diese auch noch ein weiteres Jahr Pause machen würden) sowie die Zeit, eventuell noch einmal etwas von der Welt zu sehen).
Kontra:
- Ein weiteres Jahr zwischen Schule und Studium im Lebenslauf, das irgendwann (zum Beispiel bei Bewerbungen oder Beförderungen) Fragen aufwerfen oder mir sogar zum Verhängnis werden könnte
- Ich wäre bei Studienbeginn noch ein Jahr älter, also gerade 20 Jahre alt
- Die Gefahr beziehungsweise Sorge, dass ich dann doch nur ein weiteres Jahr mehr oder weniger allein zu Hause sitze und weder Praktika mache noch arbeite oder reise
Alles in allem ist mir bewusst, dass ein zweites Jahr zwischen Schule und Studium in gewisser Weise auch bedeuten könnte, dass ich meine Entscheidung aufschiebe.
Dennoch würde mich interessieren, was ihr – und vielleicht auch der eine oder andere Personaler beziehungsweise die eine oder andere Personalerin – darüber denkt:
- Sollte ich ein klassisches Studium wegen des Studentenlebens wählen, aus einem anderen Grund oder lieber gar nicht?
- Wie sah euer Studentenleben wirklich aus? (Bitte nennt dabei dann aber auch euren Studiengang. Ich denke mal, dass das klassische Studentenleben zwischen den Studiengängen Medizin, Ingenieurwesen, Jura, Kunst und soziale Arbeit (ohne jetzt sagen zu wollen, dass manche davon schwerer seien als andere, da ich irgendwie die Vorstellung habe, dass man je nach Studiengang tendenziell auch ganz andere Arten von Menschen kennenlernt)
- Sollte ich trotz des höheren Stresslevels ein duales Studium wählen? Ist das Stresslevel überhaupt so viel höher und wie viel (Frei-)Zeit hat man bei einem dualen Studium normalerweise während den Praxisphasen?
- Wie frei kann man sich seine Ferientage normalerweise während den Praxisphasen auswählen?
- Sollte ich noch ein Jahr ohne Studium einlegen und genießen? Wie wirkt sich das (je nach Tätigkeit in diesem Jahr) im Lebenslauf aus? Könnte es langfristig eine Rolle spielen – sowohl, wenn ich danach ein klassisches als auch ein duales Studium beginne?
- Wie wichtig ist es in dem Studiengang beziehungsweise in dem Studiengebiet Wirtschaftsingenieurwesen, nach dem Bachelor-Abschluss (direkt danach) noch einen Master-Abschluss zu machen?
- Lohnt es sich aktuell überhaupt noch Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren und falls ja, welche Studienrichtung sollte ich wählen (allgemein, Maschinenbau, Elektrotechnik oder eine ganz andere Studienrichtung)?
- Es kann sein, dass das mit den Studienrichtungen bei einem klassischen Studium an einer Universität beziehungsweise Fachhochschule ganz anders ist, als bei einem dualen Studium. Die von mir gerade eben aufgelisteten Studienrichtungen kenne ich zumindest als Optionen bei dualen Studiengängen.
- Wenn ihr zwischen dem folgenden entscheiden müsstet, was würdet ihr wählen:
- Versuchen, ein duales Studium bei einem internationalen Konzern beziehungsweise Großunternehmen mit soweit ich weiß circa 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wobei bei dem Standort in Deutschland, bei dem ich mich bewerben würde, glaube ich circa 700 bis 800 Mitarbeiter hat, zu bekommen? Ich würde dort nach IG-Metall-Tarif bezahlt werden, ein Auslandssemester in der Praxisphase wäre glaube ich tendenziell möglich. Ich würde während dem dualen Studium mit circa 1.350€ im ersten Jahr, 1.450€ im zweiten Jahr und 1.750€ im dritten Jahr einsteigen. Laut ChatGPT wäre bei einer Übernahme danach irgendetwas zwischen EG 12 und EG 14 nach IG-Metall-Tarifvertrag in Baden-Württemberg realistisch (was bei EG 12 ja schon mit allen Sonderzahlungen einem Jahresbrutto nach IG-Metall-Tarif in Höhe [laut ChatGPT] aktuell circa 76.000€ ergeben würde. (Ist das wirklich realistisch?) Das duale Studium würde drei Jahre, als sechs Semester, dauern, die Studienstadt sowie die Praxisphasen würden in der selben Stadt stattfinden, die Studienstadt wäre circa eine Stunde mit dem Zug von meiner Heimatstadt entfernt und der Studiengang wäre allgemeines Wirtschaftsingenieurwesen an einem Standort der DHBW.
- Ein klassisches Studium anfangen, Erfahrungen mit (einer) Werkstudentenstelle(n) sammeln, Praktika bei verschiedenen Unternehmen machen und das Studentenleben genießen?
- Ein weiteres Jahr Pause machen, mich dann nochmal mit dem Thema auseinandersetzen, ein oder zwei Praktika in dem Bereich Wirtschaftsingenieurwesen (sofern möglich, auch bei dem einen Unternehmen, bei dem das von mir gerade eben beschriebene duale Studium angeboten wird) (zumindest in ein oder zwei möglichen Arbeitsstellen oder so zu absolvieren, eventuell noch einmal Zeit mit Freunden verbringen, reisen und nebenbei etwas zu arbeiten und dann im Wintersemester 2028 (dual oder klassisch) anfangen zu studieren?
Zuletzt noch ein paar Angaben zu mir, die für eure Antworten hilfreich sein könnten:
Ich bin aktuell 18 Jahre alt und werde Mitte nächsten Jahres 19. Mein Abitur habe ich dieses Jahr an einem allgemein bildenden Gymnasium mit G8 in Baden-Württemberg gemacht. (Falls das mit dem von mir oben beschriebenen dualen Studium aus verschiedenen Gründen doch nicht klappen sollte: Sollte ich mich für ein duales Studium entscheiden, würde ich versuchen, einen Platz bei einem DAX-Konzern oder einem anderen Unternehmen mit IG-Metall-Tarif zu bekommen, idealerweise in der Automobilbranche. Das Studium würde dann wahrscheinlich in Kooperation mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg stattfinden.) Falls ich schon nächstes Jahr dual studieren möchte, stellt sich allerdings auch die Frage, ob es dort allgemein überhaupt noch genügend ausgeschriebene Stellen gibt.
Wenn ich mich für ein klassisches Studium oder ein weiteres Jahr Pause entscheide, würde ich bei diesen DAX-Konzernen beziehungsweise in der Automobilbranche (oder ansonsten auch bei anderen Unternehmen [die keine DAX-Konzerne sind] vermutlich ebenfalls versuchen, Praktika oder eine oder mehrere Werkstudentenstellen zu bekommen.
Außerdem würde ich gerne einen Teil meines Studiums im Ausland verbringen – entweder in Form eines Auslandssemesters im klassischen Studium oder einer Praxis- oder Theoriephase im Ausland beim dualen Studium. Soweit ich weiß, bieten sowohl Universitäten mit Partneruniversitäten als auch einige Unternehmen mit Auslandsstandorten solche Möglichkeiten an. Weiß jemand, wie groß die Chancen jeweils sind, ein Auslandssemester oder einen vergleichbaren Auslandsaufenthalt absolvieren zu können? Sind sie im klassischen oder im dualen Studium höher, und wie sieht es jeweils mit der Finanzierung aus?
Damit verbunden sind auch die Fragen:
Wie schätzt ihr die Entwicklung des Arbeitsmarkts in den nächsten Jahren ein?
Wird es noch schwieriger als jetzt, ohne duales Studium in ein gutes Unternehmen, einem Unternehmen, das nach IG-Metall-Tarif bezahlt oder einen DAX-Konzern zu kommen?
Ist eine Bezahlung nach IG-Metall-Tarif wirklich so gut?
Wird die Arbeitslosigkeit eurer Meinung nach unter Bachelor-, Master- und vielleicht sogar Doktorabsolventen weiter steigen?
Wird künstliche Intelligenz diese Entwicklung eurer Meinung noch verschärfen, oder wird sich die Lage eurer Meinung nach (bis zu meinem voraussichtlichen Einstieg in das Berufsleben, also voraussichtlich 2030, 2031 oder falls ich nach meinem Bachelorabschluss noch einen Master machen sollte, voraussichtlich 2032 oder sogar 2033 eher wieder entspannen?
Vielen Dank an alle, die meinen langen Text bis hierhin gelesen haben (falls das überhaupt jemand getan hat) – und natürlich auch an alle, die mir antworten. Falls ihr antworten solltet, wäre es super nett, wenn ihr immer etwas Kontext dazugeben würdet. So kann ich eventuelle Aussagen, wie zum Beispiel dass ein duales Studium super leicht sei, dass ein duales Studium super schwer sei, dass man bei einem klassischen Studium kaum ein Studentenleben haben würde oder das man während eines dualen Studentenleben trotzdem ein starkes Studentenleben haben würde, dadurch, dass ich dann vielleicht wissen würde, dass die eine Person dual etwas eher leichtes studiert hat, die andere dual etwas eher schweres studiert hat, wieder eine andere Person gar kein klassisches Studentenleben wollte und nochmal eine andere Person dual an einer Fachhochschule mit dem Modell, dass man nur ein bis zwei Tage pro Woche im Unternehmen und ansonsten ganz normal in der Fachschule mit den anderen klassischen Studentinnen und Studenten sitzt, studiert hat, besser einordnen.
Entschuldigt bitte außerdem die teilweise meiner Meinung nach sehr stark verschachtelten Sätze. Zwischendurch habe ich glaube ich teilweise leider etwas den Faden verloren.
Viele Grüße