Ich würde gerne einmal ein paar Meinungen von außen hören, weil ich momentan nicht sicher bin, ob ich einfach noch in der normalen Einarbeitungsphase stecke oder ob die Stelle tatsächlich nicht zu mir passt.
Ich bin Mitte 40 und habe nach einem ziemlich langen Bildungsweg mein Studium der chemischen Verfahrenstechnik abgeschlossen. Ingenieur zu werden war über Jahre ein großes Ziel für mich. Seit Juli arbeite ich nun bei einem Anlagenbauer.
Eingestellt wurde ich ursprünglich mit der Perspektive Projektingenieur, tatsächlich arbeite ich momentan überwiegend in der Angebotskalkulation. Ich kalkuliere verfahrenstechnische Anlagen und Komponenten, arbeite mich in technische Fragestellungen ein, hole Angebote ein, vergleiche frühere Projekte und versuche, wo es möglich ist, Berechnungen bzw. Excel-Auswertungen aufzubauen, um Entscheidungen nachvollziehbarer zu machen.
Fachlich ist das durchaus interessant und ich komme grundsätzlich zurecht. Das Problem ist eher, dass ich zunehmend merke, dass mich die eigentliche Tätigkeit nicht so erfüllt, wie ich mir das während des Studiums vorgestellt hatte.
Vieles besteht aus Angeboten, Preisen, Abschätzungen und Erfahrungswerten. Gerade bei einem erfahrenen Kollegen oder Vorgesetzten kommt verständlicherweise oft ein „Das dürfte ungefähr so viel kosten“ aus jahrelanger Erfahrung. Mir selbst fehlt diese Erfahrung natürlich noch, weshalb ich vieles rückfragen muss.
Ich frage mich inzwischen, ob mir vielleicht nicht die Verfahrenstechnik an sich, sondern eher diese konkrete Rolle nicht liegt.
Denn wenn ich andere Stellenanzeigen sehe, z. B. klassische Projektingenieurstellen mit Anlagenplanung, Fließbildern, Auslegung von Apparaten und Rohrleitungen und tatsächlicher Projektbegleitung, finde ich das durchaus interessant.
Gleichzeitig zieht es mich aber schon länger in eine etwas andere Richtung: öffentlicher Dienst, Wasserwirtschaft, Abwasser, Gewässerschutz, Umwelttechnik oder technischer Umweltschutz. Gerade die Kombination aus technischem Hintergrund und einer Aufgabe, bei der der gesellschaftliche Nutzen relativ unmittelbar erkennbar ist, spricht mich an.
Ich bin jetzt ungefähr drei bis vier Monate in meiner jetzigen Stelle und noch in der Probezeit. Kündigen, ohne etwas Neues zu haben, möchte ich nicht. Ich werde die Stelle nach meinem Urlaub erst einmal weiter beobachten und mich wahrscheinlich parallel nach Alternativen umsehen.
Mich würden vor allem Erfahrungen von Leuten interessieren, die selbst nach dem Studium festgestellt haben, dass ihre erste Ingenieurstelle nicht das war, was sie erwartet hatten:
Wie lange würdet ihr einer ersten Stelle geben, bevor ihr entscheidet, dass sie nicht passt?
Ist ein Wechsel nach sechs oder neun Monaten im Lebenslauf tatsächlich problematisch?
Hat jemand den Wechsel aus Industrie/Anlagenbau in Wasserwirtschaft, Umweltverwaltung oder allgemein den öffentlichen Dienst gemacht?
Und woran habt ihr gemerkt, dass nicht nur der konkrete Arbeitgeber, sondern die Tätigkeit selbst das Problem war?
Mir geht es weniger darum, möglichst schnell wegzukommen. Ich möchte eher vermeiden, aus Pflichtgefühl zwei oder drei Jahre in einer Richtung weiterzumachen und anschließend festzustellen, dass ich schon nach sechs Monaten wusste, dass ich eigentlich etwas anderes wollte.