r/medizin • u/noemchen • 1h ago
Allgemeine Frage/Diskussion Nachträgliche Änderung radiologischer Befunde
Hey zusammen, ich würde mich interessieren, wie an eurer Klinik damit umgegangen wird, wenn bei bereits freigegebenen radiologischen Befunden nachträglich noch etwas gesehen wird.
Ich arbeite aktuell in der Neurologie einer Uniklinik und wir haben den Fall, dass eine Patientin bereits vor 6 Wochen einmal vom ambulanten Radiologen mit dem V.a. Sinusvenenthrombose im Nativ-cMRT geschickt wurde. In domo wurde dann eine venöse TOF ergänzt, Befund der Neuroradio: keine Thrombose. Also Patientin aus der Notaufnahme entlassen.
Jetzt stellte sie sich wieder vor, weil sie zwischenzeitlich ambulant eine KM-gestützte cMRT angefertigt hatte und sich die Thrombose hier eindeutig zeigt. Zum Glück asymptomatisch und auch keine Stauungsblutungen o.ä., sie ist jetzt antikoaguliert.
In unserer Radio-Demo heute Morgen wurden alle MRT-Aufnahmen miteinander verglichen. Retrospektiv wurde durch die Neuroradiologie nun gesagt, dass die Thrombose doch bereits in unseren eigenen Aufnahmen vor 6 Wochen sichtbar gewesen sei.
Ich habe daraufhin gefragt, ob der Befund dahingehend nochmal geändert werden könnte. Daraufhin habe ich Ärger mit unserer stellvertretenden Direktorin bekommen, die meinte, dass eine nachträgliche Änderung nicht zulässig sei. Es geht mir explizit um eine Art Nachtrag, versehen mit Datum, á la „bei nachträglicher erneuter Beurteilung…“, nicht um eine kommentarlose Befundänderung.
Trotzdem hat mir meine Vorgesetzte wortwörtlich vorgeworfen, zu Vertuschung angestiftet zu haben. Das war explizit NICHT meine Absicht, im Gegenteil, ich fände es wesentlich transparenter für die Patientin, eine ergänzende schriftliche Einschätzung abzugeben. Menschliche Fehler passieren schließlich. Aber meine Chefin meinte, das sei generell nicht zulässig.
Vorher habe ich an einer anderen Uniklinik gearbeitet. Hier wurde regelhaft so verfahren, dass auch freigegebene Befunde nochmal geändert wurden, wenn sich neue Aspekte ergeben. Immer mit Angabe des Datums der Befundänderung des Zusatztextes. Ich finde, Patient:innen haben einen transparenten Umgang mit Fehlern verdient und Bildgebungsbefunde sollten inhaltlich korrekt schriftlich festgehalten werden.
Wie wir das an euren Kliniken gehandhabt? Ist das tatsächlich illegal?
Danke für eure Einschätzungen!