Hallo,
Ein Junge aus meiner Berufsschulklasse hat lange Zeit im Unterricht gestört, nicht aufgepasst und den Unterrichtsfluss ausgebremst durch sein Verhalten.
Nicht mal still sitzen konnte er immer und er musste oft den Klassenraum verlassen.
Meinem Empfinden nach war das Problem sehr massiv und ich dachte auch, dass er an anderen Schulen ähnlich große Probleme haben wird.
Relativ plötzlich hat er sich stark verändert; er stört definitiv nicht mehr. Mit den Aufgaben tut er sich immer noch sehr schwer, aber und zu hat er etwas vergessen, es ist aber sehr selten.
Er bringt mir Lösungsversuche seiner Hausaufgaben mit, die oft falsch sind und auch immer wieder so wirken als sei er nicht bei der Sache aber ich glaube, dass er sehr viel Zeit mit den Hausaufgaben verbringt.
Die Eltern sind selbst überrascht und betonen, dass sie nichts geändert hätten im Umgang mit ihrem Sohn und ihn auch nicht mehr zu den Hausaufgaben drängen als früher. Allerdings hätte er angefangen, exzessiv Tagebuch zu schreiben und hätte wiederholt Streitigkeiten mit seinem Bruder: Der Bruder würde das Tagebuch lesen und sich dann bei den Eltern beschweren, weil er darin oft beleidigend werden würde (dem Bruder gegenüber?).
Der Schüler sagt auch, die Eltern würden ihm keinen zusätzlichen Druck machen. Er wirkt nicht gelassen; eher so als ob er sich wahnsinnig zwingen würde, nicht mehr auf und abzugehen und mir fällt auf, dass er im Gegensatz zu früher still ist und nicht mehr wütend reagiert, wenn Lehrer oder Schüler etwas zu ihm sagen, auf das er früher noch ärgerlich geantwortet hätte. Früher konnte man ihm gut ansehen, was er denkt und jetzt guckt der Schüler monoton.
Ich vermute, dass er die Klasse zwar nicht schaffen wird, aber so definitiv schulfähig ist und einen Realschulabschluss machen kann.
Kennt jemand hier dieses Gefühl, wenn ein Schüler sich zum positiven entwickelt hat aber sich das irgendwie komisch anfühlt? Ich fühle mich irgendwie "angeflunkert", vor lack of a better term.
So weit ich weiß ist es nicht so, als hätte er mittlerweile außerschulische Kontakte mit Klassenkameraden. Ich vermute, Mitschüler finden sein Verhalten seltsam.
Jetzt letzte Woche wurde ein ausgedrucktes Pamphlet gefunden in der Schule, in dem ein Auszubildender schreibt er "scheisse auf die deutsche Wirtschaft und auch jede andere Wirtschaft; sie können sich alle im Wettbewerb an meinem Arsch lecken", im Internet hätte er einen Beitrag eines Unternehmensberaters über Azubis gelesen, die sich unauffällig wie U-Boote verhalten, aber eigentlich einen Groll hegen, und er selbst sei "jetzt auch ein U-Boot". Seinen Lehrern wünsche er "fade Urlaube mit schlecht schmeckendem Essen und miesem Wetter" und die Investoren der Videospielunternehmen, die ihn süchtig gemacht hätten, würde er am "liebsten in Bunkern zum Spielen ihrer eigenen Spiele zwingen", das sei "leider nur ein unrealistischer Traum". Deren Spiele spiele er nicht mehr.
Das ist so schräg, dass ich nicht weiß ob das ernstgemeint ist oder eine Art r/aberBitteLaminiert meme.
Ich frage mich jetzt, ob der Schüler meiner Klasse vielleicht der Autor dieses Textes sein könnte und ob ich das ernst nehmen soll, weil es ziemlich psychisch krank klingt, oder drüber lachen.